Was ist eigentlich ein Financial Consultant ?

Veröffentlicht: Dezember 10, 2010 in Aus Langeweile
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„Bei Ihrer Anspruchslosigkeit wird das nicht teuer.“

ist mein Satz des Tages. Hatte mit zuvor auch noch niemand gesagt.

Gestern erinnere ich mich noch an gegenteilige Diskussionen, weil ich Männer unter 1,80m zu Mädchen machte, eigentlich auch die unter 190cm. Aber Mädchen dürfen ja auch beleidigen.

Nun, man soll ja auch eine persönliche Komponente mit seinem „Financial Consultant“ pflegen. Vielleicht wird es Zeit, für angemessene Sprache – dann könnte ich auch endlich fragen, warum er nicht schlicht und ergreifend mein Finanzberater ist. Genug des Rhetorikgeplänkels.

Geld ist ja eine schöne Sache, zumindest wenn man es hat. Wenn man es nicht hat, ist es nur bedingt tragisch. So oder so bin ich definitiv ein schwieriger Fall, denn nach gefühlten (vermutlich inzwischen auch realen) 10 Stunden Gesprächen über Dinge wie:

„Sie sind mein erster Kunde, der kein Sparziel hat.“

oder

„Das entspricht Ihrer Risikobereitschaft.“

„Welcher Risikobereitschaft?“

„(Schweigen)“

bin ich schon ein bisschen schlauer. Nicht schlau, schlauer. Das habe ich ihm zu verdanken, denn meine absolute Abneigung mich in derartiges Einzulesen wird im persönlichen Gespräch von meiner Höflichkeit zuzuhören abgelöst. Mitunter ist es sogar ganz bereichernd. Nun verstehe ich was Fonds sind und was Rendite heisst, ich kenne unzählige Horrorszenarien wie ich mein Leben invalide fristen könnte (aber Geld dabei hätte!) und weiss, dass ich zu arm bin, um mich nicht auf staatliche Krankenversicherungen verlassen zu müssen. Das bereichert mein Allgemeinwissen durchaus.   Vielleicht bin ich aber auch beratungsresistent, insofern sei dem anglophilen Menschen bei unermüdlicher Geduld der Vorwurf der Anspruchslosigkeit nicht verübelt. Fürs nächste Mal rege ich denkend an, mein loses Mundwerk nicht zuvor zu Hause einzuschließen. Dann müsste ich mich auch nicht immer fragen, welche höflichen Entgegnungen das Handbuch für formellen Umgang im spezifischen Fall vorsähe.

Und was ich mich wirklich frage: Gibt es Studien darüber, welche Menschengruppen wodurch manipulierbar sind? Welche Rhetorik, welche Themen oder Gesten wo was bewirken?

Nein, vielleicht will ich es besser doch nicht wissen, denn dann würde ich noch berechnender werden und vielleicht meine berufliche Perspektive im Coaching suchen, was nicht denkbar ist, da ich keinen deutschen Begriff dafür kenne.

Immerhin, und das ist eindeutig nicht mein Verdienst, weiss ich doch nach vielen Gesprächen nun schon viel besser, was ich nicht will. Ich möchte jedenfalls nicht mein Kunde sein – gelobt seien Menschen, die nicht an mir verzweifeln.  Falls aber nicht zufällig ein betuchter Zahnarzt mitliest und geneigt ist, einen Heiratsantrag zu schicken (selbstverständlich mit Ehevertrag, der mir so oder so das Turmzimmer zuspricht!), werde ich diesen Mist jetzt einmal konsequent durchdenken (was nicht heisst, dass es zu Lösungen führt). Mein Primärziel und der erste Schritt zum Spießertum ist vollendet: Ich scheine im Besitz einer Riesterrente.

Es musste ja auch erst das Haus brennen, bis ich die Notwendigkeit einer Haftpflichtversicherung einsah, insofern bin ich dieses Mal extrem entscheidungsfreudig.

 

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