ausgelesen: Helmut Krausser – die letzten schönen tage

Veröffentlicht: Mai 5, 2011 in Ausgelesen
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Nochmal Krausser, sein Neuster. Wenn mir ein Autor einmal gefällt, so bei „Eros“ und „Einsamkeit und Sex und Mitleid“ geschehen, lese ich gern bei ihm weiter; an Neuerscheinungen komme ich kaum vorbei, auch wenn der Klappentext (s.u.) nur semispannend klingt.

„Die letzten schönen Tage“ war schnell gelesen, und trotzdem ein Buch, über das die Meinung sich im Leseverlauf veränderte. Als ich begann, dachte ich zunächst: typisch. Moderner Plot, Figuren mit Alltagsüberdruss, Beziehungen, die sich nichts mehr geben, Ausfluchten. Das Übliche eben. Wieder beginnen, so denkt man, einzelne Geschichten, deren Handlung mehr und mehr ineinander zahnt, bis sich, anders als im Vorgängerroman, herausstellt, dass es eine einzige,  episodenhaft festgehaltene Geschichte ist.

Es geht um Serge, einen Werbetexter, dessen Freundin und ihre Liebschaft, Serges Kollegen, des Kollegens neuerdings lesbische Mutter und ihre Freundin wie Reisepartnerin, eine zu pflegende Katze und den Versuch, das Leben in Deutschland unter Wahn und Krankheit auf einer warmen Insel weiterzuführen. Die Handlungen sind bei Krausser gar nicht überaus innovativ, aber was sie reizvoll macht, ist die Inszenierung der Form und der Alltagsspiegel. Ich kann mir gut vorstellen, dass Kraussers Romane Abziehbilder einer Zeit sind, die in seinen Worten konserviert sind. Zeitlos sind sie jedenfalls nicht.

Was erst langweilig begann, wurde mehr und mehr eine lesenswerte Geschichte, in der man für jede beteiligte Person den Buchtitel neu interpretierte. Leider wird es dadurch auch kein Buch der erinnerungswürdigen Oberklasse, aber für belletristische Unterhaltung ist es nach meinem Empfinden zumindest solide. Kann man machen..

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Klappentext: Serge Hanowski ist Mitte dreißig und Werbetexter in einer Berliner Agentur. Er ist manisch – mit einer Prise diabolischem Feuer. Eines Nachts wartet Serge auf die letzte Bahn nach Neukölln, als er auf den Gleisen ein Centstück liegen sieht. Er weiß sofort: Das ist mein Glückscent. Aber runterspringen? Die Vernunft siegt. Serges größter Wunsch ist es, endlich seine Freundin Kati zu heiraten. Was er nicht weiß: Kati hat ein Verhältnis mit seinem Arbeitskollegen David. Doch sie entscheidet sich für ihn und eine gemeinsame Auszeit auf Malta. Die beiden kommen bei den halbseidenen Angestellten eines Online-Poker-Servers unter, was ihr Leben nicht einfacher macht. Und auch auf der Insel wird Serge von Eifersucht getrieben. Er hackt sich in Katis E-Mail-Zugang ein und beginnt in ihr Leben einzugreifen. Kati kann nur ahnen, wozu Serge in der Lage ist. Tempo, Witz und die Fallstricke einer Dreiecksbeziehung machen Helmut Kraussers neuen Roman zu einer rasanten Tragikomödie um Liebe, Entsagung – und nahrungsverweigernde Kater.

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