Archiv für Dezember, 2012

Weihnachten riecht nach Lilien

Veröffentlicht: Dezember 23, 2012 in Persönliches

Weihnachten riecht nach Lilien. Also kann ich den Jahresrückblick gern auch eine Woche verfrüht angehen. Dinge verändern sich. Oder auch nicht.

In diesem Jahr fällt mir sowohl mein eigener als auch der Jahresrückblick schwer, der andere betrifft. Offenbar hat mich das zunehmende Alter langsam eingeholt, denn ich denke plötzlich so Dinge, wie, dass ein Jahr verfliegt, ohne nennenswerte Spuren zu hinterlassen. Dem Jahr wird das natürlich nicht gerecht, denn natürlich gab es zahlreiche Ereignisse, die positiv (oder negativ, jedenfalls: bedenkenswert) waren, wenngleich sie sich auf kurze Momente oder Erlebnisse oder graue Haare bezogen.

Wenn ich meine Fotoalben dieses Jahres durchblättere, sehe ich, dass ich phantastische Partys gefeiert habe, bessere denn je (man muss offenbar erst 30 werden, um damit zu beginnen). Momente, in denen mein Gesicht vor Glück oder Sekt oder beidem strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Vielen Dank all denen, die diese wundervollen Nächte mit mir verbracht haben.

Wenn ich mir jedoch fürs kommende Jahr etwas wünschen darf, dann möchte ich gern neben all diesen euphorischen Momenten ein bisschen mehr Austausch, ein bisschen mehr Input, ein wenig mehr gefordert werden: trinken kann ich schon und tanzen lerne ich nun. Wenn das nicht klappt, suche ich mir im Stile der Bedürfnistrennung eben eine kulturelle Beziehung, aber eigentlich ist ein Großteil meines Umfeldes nicht nur schön, sondern auch klug, so dass ich hoffe, wir finden wieder ein wenig häufiger zu Ausflügen, Reisen, Theater oder Museen oder dergleichen zusammen: Es fehlt mir etwas. Vielleicht fehlt es auch nur an eigener Umsetzung oder Toleranz und nicht nur an Möglichkeiten, ich werde das analysieren.

Persönlich möchte ich einigen dafür danken, dass sie meinen beschwingten bis resignierten Weg begleitet haben:

Tobi: Für Deine Engelsgeduld kann ich mich nur anerkennend bedanken. Niemand hat’s schwerer mit mir als Du.

Katha: Ich find‘ Dich nicht scheiße – Du hasst mich ja auch nicht offensichtlich. Schön, dass wir immer wieder zusammenfinden.

Julo: Vieles hatte ich mir anders vorgestellt für dieses Jahr. Erhofft. Das war kein gutes Jahr für uns, finde ich. Trotzdem bin ich froh, dass alles noch ist wie es ist – es hätte viel schlimmer kommen können. Und es wird auch wieder besser, auch wenn es wohl nie zum Ideal wird.

Fräulein: Zu sehen wie Du lebst, gefiel mir. Wenn ich Dir nicht täglich meine wirren Gedanken zukommen lassen könnte, würde mein Kopf wahrscheinlich unreflektiert explodieren.  Ich möchte das nicht mehr missen, es ist vertraut.

Inga: Manchmal passieren Dinge, die man sich selber nicht zutraut. Aber in stiller Zuneigung: es ist schön!

Lenni: Die Atzen sind nicht Deichkind aber Discofox auch kein Tango – was soll’s. Ich hoffe wir tanzen uns noch in so manchen Rausch! Danke, dass Du dieses Wagnis mit mir zu zuverlässig erprobst.

Markus: Danke, dass ich Dich immer wecken darf, aber ich versuche, damit aufzuhören.

Sebastian: Wenn Du Dich für die nächste Frau wieder sechs Jahre nicht meldest, dann wird das mit uns nix mehr! Aber schön, wenn alte, einst sehr wichtige Lebensbestandteile wieder auftauchen.

Mone: Das muss wieder besser werden, so alt sind wir noch nicht! Ich kann doch kein Pferdemädchen werden..

Till: Nach einem schwierigen Start und einer positiven Phase danach, gilt es nun wieder zu optimieren, bevor man sich in eigenen Welten verflüchtig. (Notiz an mich selbst: Besser machen)

Björn: Ohne Worte, denn: alles ist gut.

Kai & Mirja: Dass ihr mich zu Mädchentreffen bekommt (und mitnehmt) ist eine echte Leistung.

Steffi: Hoffentlich hab ich bald die alte zurück, ohne diese Wut auf ein Geschlecht hast Du mir besser gefallen. X (ich lern‘ ja).

Serge: :* (Wozu Inhalt in SMS tun). Aber ich kann das Ski-Thema nicht mehr hören.

Doris: Vor Deinem Wegzug hatte ich zugegeben etwas Angst. Wie froh ich bin, dass er keine Änderung brachte.

Steffen: Ohne tiefe freundschaftliche Verbundenheit, hätte ich die letzten beiden Monate nicht ertragen.

Die Familie wächst entspannt, aber ein putziger, selten-kluger Bruder und zwei Nichten können noch nicht (genug) Lesen um explizit erwähnt werden zu müssen. Dass ich aber schon seit 6 Jahren Patenkinder habe, will ich kaum wahrhaben.

Einige möchte ich (oder ich weiß, dass sie es möchten) ohne Namen erwähnen:

  • Moral ist ein Teufelszeug, ich weiß – aber der Teufel weiß auch, was er tut. Manchmal vermisse ich Dich auch!
  • Zu unterscheiden, ob etwas Traum oder Wirklichkeit ist, ist nicht immer einfach. Grenzerfahrungen kann man ruhig mal wagen.
  • Auch wenn das Drama seinen Höhepunkt wohl nie erreicht, sollst Du Recht behalten: Wir kennen uns auch an unserem Jahrestag noch. Von einer 8 kann man so manches lernen und sogar wenn ich rumheule, hörst Du noch zu.
  • T: Ich kann leider nicht alles so schätzen, wie es angemessen wäre, aber ich hoffe, wir finden auch noch die richtige Basis. Zum nächsten Feuer radeln wir dann auch gern wieder gemeinsam.

Dieses Jahr war gewissermaßen ein Jahr des Bestandes; mein Umfeld, mit dem ich sehr zufrieden bin, hat sich kaum verändert, was mir gut gefällt. Lediglich der Umstand, meine Zeit vermehrt auch mit Menschen zu verbringen, die sich im weitesten Sinne unter „Kollegen“ zusammenfassen lassen, ist eine neue Erfahrung und der finale Bruch mit alten Prinzipien. Ich musste Vorurteile z.T. revidieren – etwas, das ich nicht gern tue, aber in diesem Fall lohnt(e) es sich: Sowohl im Arbeitsalltag als auch beim Feiern hatte ich vielerlei positive Momente. Christoph, es ist schön, dass ich mir mal wieder von jemandem Kritik anhören und  — wenn auch nicht immer annehmen, so doch  — überdenken kann (das ging zuletzt nur bei Herrn B. ernstzunehmend, und der macht sich rar; also Herr B., ich bitte um mehr Präsenz, obschon ich mich vorbildlich verhalte und so gesehen nicht darauf angewiesen bin). Tobi, Deine stete Gesellschaft & Hilfe hat mich so manches Mal vor irrationalem Ausrasten oder Technikzerstören gerettet. Kerstin, danke fürs Zuhören. Freddie, so schlimm riechst Du gar nicht. Dennis & Tim: wo bin ich da nur hineingeraten? (Oder: Wie das neue Jahr zu beginnen sein wird!) Martin, es ist erfreulich, wenn einem mal jemand etwas zutraut. Susana: Dein grenzenloses Vertrauen hat mich sogar Stress positiv empfinden lassen.

Vertrauen ist vielleicht mein positives Wort des Jahres. Bei aller Leichtigkeit, Flüchtigkeit, Unverbindlichkeit, die so viele Augenblicke auf jeder erdenklichen Ebene beherrschte, haben mir sehr viele der Genannten und einige, die zu nennen auf dieser Plattform unangemessen wäre, sehr großes Vertrauen geschenkt, das ist ein gutes Gefühl. Ich hoffe, ich konnte es würdig wahren.

Die Worte für 2012 sind gefunden: Vertrauen. Euphorie. Unterforderung.

Damit ist der Ausblick für 2013 klar — auf ein Neues!

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Jeanie goes feminism!

Veröffentlicht: Dezember 17, 2012 in Frakshow des Alltags, Persönliches, Streetart

Was soll’s. „Hochschultage gegen Sexismus und Homophobie“ hat mich als fetter Banner auf dem Weg zur Arbeit begrüsst.

Das mit der selbstbehaupteten Homophobie kann ich längst nicht mehr jedem glaubhaft machen aber so in Grundzügen gehöre ich vielleicht doch noch zu den von Regenbogenaktivisten bekehrbaren schlimmen Fingern. Oder ist das ein bisschen wie Gender, was man als gesellschaftliche Annahme spannend findet, weil man Brüste hat? Jeanie ist eine Frau ist Feministin? Im Notfall versichere ich es authentisch!

An der Mensa dann ein schicker Aufkleber. Schneewittchen, da schaue ich doch gern hin. Aber Schneewittchen als moderne Feministin? ImageGefällt mir. Weil mir Schneewittchen gefällt. Weil mir die Farben gefallen.

Ich beginne mir in der Rolle, die derweil mein liebstes Kostüm trägt, zu gefallen. Wenn ich in das gelbe Kleidchen gestiegen bin, haben mir noch nie 7 Männer zu Diensten gestanden. Was ist das bitte für ein Feminismus, in dem das mit der Gleichberechtigung immer noch umgedreht ist? Nix Gleichberechtigung: Männer kochen, beziehen Betten und lassen die Dame frei walten. Wenn ich genauer darüber nachdenke, finde ich Feminismus plöztlich ganz sexy, wäre da nicht diese Waffe im Bild. Auch das Püppchen mit ihren – wenn auch minimierten – weiblichen Attributen spricht mich an. Ich finde das Püppchen sexy – ist das Sexismus? Ich gräme mich.

Tschuldigung Asta, aber mit Waffen, da kann ich gar nicht um.

Der Tag vergeht und ich denke immer wieder daran, wie ich mich nun zum Feminismus verhalte, aber mit Gleichungen kenne ich mich leider sehr viel schlechter aus als mit Grimm’schen Hausmärchen. Man kann sich ja mal inspirieren lassen. Haare schwatt, kein Ding. Blaß werden gelingt mir mit etwas Mühe auch und falls der Winter dieses Jahr noch über uns hereinbricht, werde ich leidenschaftliche Selbstzerstörung walten lassen und ein bisschen Blut in den Schnee tropfen (denn Blut im Schnee ist wahrlich hübsch – auch wenn das jetzt bestimmt das totale Entjungferungsszenario sein dürfte). Möglicherweise besteht noch Chance, meine Schönheit zu maximieren, denn am Wochenende hat mir die Stiefschwester odentlich den Rang abgelaufen.

Ich schweife ab, zurück zum Feminismus, den ich heute mit materiellem Konsumzwang in christlicher Tradition paarte und in meinem nach anfänglichen Problemen in der Annäherung geschätzten Frauenkollektivbuchladen fand. Gestöbert, beraten, gelesen, alles von Frauen, ist super, denn sie wissen, was sie tun. Oder so ähnlich.

Image Als moderne Feministin ist man ja durchaus auch gern käuflich (auch wenn Frau Schwarzer gestern beim Jauch wieder nicht allzu optimistisch war hinsichtlich der Prozentzahl sozialversicherter Prostituierter und deren Freiwilligkeit, aber zum Glück ist meine Geschenkegier freiwillig) und freut sich – ganz unfeministisch allerdings – über Geschenke.

Das Geschenk war toll. Danke lieber Buchladen. Ich habe mich sehr darüber gefreut (es war ein Hardcover von Vera Kaiser drin, „Blasmusikpop“ – ich werde den Titel nicht weiter kommentieren). So richtig sicher bin ich mir aber über meine eigene Position nicht mehr.

Vielleicht hätte ich mir freinehmen sollen, um im angekündigten Vortrag zu erfahren, was Feministische Pornos sind, stattdessen muss ich arbeiten, werde mir gelegentlich die Tür aufhalten lassen und am späten Abend wichtigen Herren ihre Getränke servieren.

Die Welt überfordert mich. Vielleicht bin ich längst Feministin (ich mein, ich find mich dufte in meinem Schneewittchenkostüm ohne Waffe) und merke es gar nicht. Und dann?