Archiv für die Kategorie ‘Es missfällt mir.’

Immer wieder sonntags…

Veröffentlicht: Juli 8, 2012 in Es missfällt mir.

bemerke ich, dass ich das Schreiben, sowohl für mich, als auch für die Welt, verkümmern lasse. Manchmal vermisse ich es. Dann beginne ich und schon nach wenigen Anschlägen fällt mir wieder ein, dass der fehlende Sinn Schuld daran ist.

Ich fand ihn noch nicht wieder. Vielleicht später.

Einige Monate lang habe ich nun zahllose Blog gelesen, abonniert und doch wieder aus meinem Reader geworfen. Zumeist ging es mir mit Literatur-Blogs, sogenannten, eher selbsternannten, so. Ich glaube, ich verstehe dieses Medium einfach nicht, in dem sich überwiegend Frauen zu tummeln scheinen, die ihren Schreibstil seit dem Lesen von Jugendzeitschriften kaum verändert habe und damit so spannend zu lesen sind wie Strickanleitungen. Immer das selbe Prinzip. Ein Zitat, der Klappentext und zwei  Sätze „eigene Meinung“.

Freitags-Füller oder Wochenrückblicke tauchen überall auf, gern auch mal Hinweise zur Wohnungsdekoration oder Kochrezepten. Gewinnspiele für gebrauchte oder ungeliebte Bücher, Wichteleien und andere Wunschzettelschenkereien, die ich sonst nur aus Foren kenne, haben längst Einzug gehalten. Will ich das lesen? Nein. Um es nochmal deutlich zu sagen, ich habe nichts gegen Hobbyschreiberlinge unterschiedlichster Facetten; ich bin nur enttäuscht über selbst bezeichnete (oder: selbstüberschätzte) Literaturkritikblogs (nochmal langsam: Literatur + Kritik + Blog!), die kaum mehr als eine Sternchenverteilung zu Stande bringen, wo selbst eigene Leseeindrücke viel spannender wären. Wenn ich dann meinen Feedreader öffne und mich über neue Einträge freue, bin ich doch nur enttäuscht, stellen sie sich als Erinnerungen zum Osterwichteln oder zum Weihnachtsbasteln heraus, alles natürlich ein Quartal vorm Termin, um noch einige Male erinnern zu können.

Eigentlich finde ich es undramatisch, gemischte Inhalte vorzufinden, wenn ich nicht diese immer wiederkehrenden Muster vorfände, die mich leider nicht interessieren. „Wie hat es euch gefallen?“, „Erzählt mir, was ihr davon denkt!“ oder „Eure Meinung interessiert mich.“ zieht bei mir kaum noch als ehrliche Aufforderung, sondern vielmehr als Kommentarhascherei. Doch was will ich mit Kommentaren von Menschen, die nichts zu sagen haben? Dass die Nichtszusagenhaber trotzdem posten wundert nicht, denn jeder Kommentar ist die potenzielle Möglichkeit neuer Klicks und Klicker auf dem eigenen Blog. Schiebt man sich die Leser also nur untereinander zu? Anscheinend, denn alle haben gar nicht so schlechte Zufriffszahlen und eine Reihe Links in ihrem Blogroll.

Ich verstehe es nicht. Es gab nur wenige, eine handvoll vielleicht, für mich guter Blogs, sprich Blogs, die mich zu Kaufentscheidungen brachten oder von eben jenen abhielten oder zumindest dafür sorgten, dass ich etwas herumklickte und mich über einen Autoren informieren wollte. Denen und ihrer filigranen Arbeit danke ich, vor allem dafür, dass sie den Leser an (subjektiven) aber nachvollziehbaren Meinungen und Erfahrungen teilhaben lassen. Das hilft mir am meisten. Über Empfehlungen zu solchen Seiten bin ich stets erfreut.

Schwarze Galle.

Veröffentlicht: Mai 8, 2011 in Es missfällt mir.

Es scheint die Sonne, dazu weht ein laues Windchen, bestimmt ist es herrlich draussen. Es ist Sonntag, ich habe keinen Zeitdruck, keine Termine. Ich habe alles, was ich immer wollte, viele ungelesene Seiten ansprechender oder nötiger Bücher warten auf mich. Es ist warm, ich werde angerufen und bekomme freundliche Post, Menschen wollen mich besuchen, ich wollte aufs Rad.

Und was tue ich? Liege im Bett, und kann nicht schlafen. Sperre die Sonne aus, gehe nicht ans Telefon, will das Haus nicht verlassen, dulde keinen Besuch. Arbeite nicht, lese nicht, freue mich nicht.

Es ist alles immer das gleiche, wechselt man auch Elemente aus. Ich habe es so satt, diese Kreisläufe austauschbarer Ereignisse und Taten, die einen nur kitzeln, kratzen vielleicht aber irgendwann spurlos verschwunden sind.

Ich will schlafen!

Was Mensch schafft…

Veröffentlicht: April 6, 2011 in Es missfällt mir.
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Manchmal bin ich ganz erstaunt über das (mich?), was so in den (All)Tag passt, schaffbar ist und gemacht wird. Manchmal führt mich das auch zu glückseliger Euphorie, so wie gestern. Das-Leben-ist-schön-Tage, strahlender Optimismus, ungeahnte Schaffenskraft. Passt schon alles irgendwie und: „Im Grunde ist alles ganz einfach“. Ein bisschen quatschen hier, ein bisschen mailen da, ein bisschen blättern, ein bisschen planschen, ein bisschen bilden, ein bisschen warten.

Und dann: kawummm.. aufwachen, Himmelgrau, Tag gelaufen. Der Tee wird umgekippt, das gesuchtes Shirt ist dreckig, das Postfach leer. Auf zur Arbeit. Feststellen, dass die Arbeit des Vortages (ja, des guten, produktiven) verlustig ist wegen vermutlich eigener technischer Unfähigkeit. Technische Unfähigkeit führt auch dazu, um Hilfe zu bitten und zu verzweifeln, dass das Bedürfnis nicht erkannt wird. Ein Ärgernis, ein stundenlanges, um sich hinterher darüber zu ärgern, die Zeit nicht einfach zum Lernen der Leerstelle genutzt zu haben.

Anrufe. Permanente Anrufe. Mein sonst schweigendes Telefon klingelt in einer Tour, ich möchte es aus dem Fenster werfen. Termine in den Kalender, wo ich keine Termine möchte, Freundlichkeit, wo Verzweiflung herrscht. Muss das sein? Muss sein!

Ja kann ich. Ja mach ich. Nein hab ich nicht. Nein weiss ich nicht. Aber gern doch. Sicher. Tschüss.

Jemand vermisst mich, das ist ja wunderbar – aber doch bitte nicht jetzt. Kann man Kapazitäten für Vermisst-werden ausgefüllt haben? Ich fürchte, ungerechterweise kann ich.

Das Schlafdefizit rächt sich und Gedanken, die sich in meinen Kopf gefressen haben fodern ihren Tribut in aktiver Wachzeit. Kann das nicht warten? Nein, es kann nicht.

Ich meckere die an, die es nicht verdient haben, gehe den Gemochten aus dem Weg und will schreien:

Durchatmen. Ausatmen. Aufatmen.

Ich bestelle mir jetzt ne Pizza. Und wenn das nicht hilft, kann ich immer noch Haare färben und andere geläufige Konsequenzen ziehen, denn letztlich gilt immer: „Alles wird gut. „

Fuck U or: People can be so disappointing.

Veröffentlicht: März 22, 2011 in Es missfällt mir., Musik, Persönliches
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Ich spreche zu mir:

Es ist warm in meiner Wohnung, ich trinke grünen Tee mit Kaktusfeige (ja, inzwischen echten, da habe ich in den letzten sieben Jahren durchaus Fortschritte gemacht), trage einen gemütlichen Fleece, es läuft mir sehr vertraute Musik und ich lungere auf meinem Sofa. Ein Krimi wartet auf mich oder Johnson, je nachdem, was der verschnupfte Kopf noch aufnimmt. Ich habe sehr lange gearbeitet und genauso viel erledigen können – ich bin mit meinem Tagewerk zufrieden, fühle mich ausgelastet, angenehm erschöpft, nicht gestresst. Die Mittagspause verbrachte ich in guter Gesellschaft und ich weiss, dass mir auch morgen vertraute Personen zur Seite stehen. Im Briefkasten lag eine Postkarte; eine kleine Sache mit enormer Wirkung. Eine Freundin dankte für meine Begleitung und ich bin ein wenig gerührt von der Alltagsferne dieser Geste. Der neue Schal, der meinen kratzenden Hals wärmt, gefällt mir. Ein bisschen wehmütig bin ich darüber, dass ich nicht ins Schwimmbad konnte, aber ich weiss inzwischen, dass es nicht die letzte Gelegenheit war. Zudem weiss ich, dass auch morgen wieder viel Arbeit auf mich wartet und eine Erkältung gerade sehr ungünstig ist, aber ich bin guter Dinge und ungewöhnlich motiviert bezüglich der anstehenden Aufgaben. Vielleicht schaue ich noch ein bisschen von dem gestern abgebrochenen Tatort, vielleicht auch nicht. Ich weiss, dass mein Telefon noch klingeln und eine Redeschwall mich überfallen wird. Walkers-Chips, die ich auf dem Flug zu mampfen vergass, könnten mir den Abend mit Erinnerungen an ein gutes Wochenende spicken.

Auf zwei, drei Dinge ist zu warten, aber die hetzen mich gedanklich nicht, die Situation lässt zu, auf meinem Sofa zu sitzen, und sich zu fragen:

Warum um alles in der Welt konnte ich mich mit dieser wunderbaren Alltagswelt nicht häufiger zufrieden geben? Man braucht nicht jede Facette des Internets und man braucht schon gar nicht jeden Menschen darin. Ich hoffe mich an die richtige Stelle zu wenden, wenn ich (auch) zu mir selbst spreche, den Browser nun schliesse und mich dem widme, was mir treu zur Seite steht: Echtes Papier und echte Freunde.

Soziophobie ist in gewisser Weise eben doch eine Lösung, bestenfalls höre ich mal auf mich selbst bei so klugen Ratschlägen.

Ich spreche zu Dir:

(Weil es so harmonisch klingt und ich auch mal vulgär sein möchte!)

In Anbetracht dessen, dass Thomas Glavinic Gast in der Stadt sein wird und unter der Selbsterkenntnis, dass ich es nicht ertrage, wenn meine Gesellschaft mehr gelesen hat als ich, stand ich – fast zufällig- am Wochenende vor Glavinics neustem Roman und dachte: Joa… – kaufste!

Auf dem Klappentext etwas von Whiskey und Koks, brutalen Morgen und einem verschanzten Typen, der sich einer virtuellen Internetgemeinde offenbart. Klingt exakt so, als müsste ich es dringend lesen. Das tat ich dann auch, nicht ohne mich an eine gute Kritik zu erinnern, die davon sprach, ein Meisterwerk Glavinics gefunden zu haben, ganz in der guten Tradition aktueller Momentaufnahmen, kritisch, zynisch, lustig.

Tja, all das vermisste ich etwas auf den kurzen 200 Seiten, die „Tom“ die Hörer zuquatscht. Immer wartend auf die Steigerung, auf ein Ende mit Grund oder zumindest eine Auflösung der enormen Gewaltandeutungen und Lisas Rätselhaftigkeit. Nix.

Vielleicht verstehe ich in den kurzen Absätzen unformatierter, ungehobelter Sprechsprache die Genialität des Autors einfach nicht zwischen all den Banalitäten. Vielleicht bin ich zwischen Flutopfern und Verstrahlten auch nicht mehr empfänglich für subtilste Gesellschaftskritik und kleine Anekdoten, aber so wie ich dieses Buch las, war es leider schlichtweg überflüssig. 17,90 Euro dafür, dass ich Monologe eines zugekoksten Trinkers höre (lese!), dessen Abgedrehtheit nicht genügt, um spannend zu sein.

Ein letzter Funken Hoffnung bleibt, dass der Zugang vorgelesen ein anderer ist, denn im Prinzip ist es eine gedruckte Dauerradiosendung. Gedruckt bewirkt es in mir genaugenommen gar nichts.

Schade, Herr Glavinic, aber ich werde Sie trotzdem anhören kommen.

Sehr treffend hat der Protagonist es auf den Punkt gebracht: „Das hört sich alles wieder so misanthropisch an. Ich bin keiner, ich bin kein Misantroph. Ich bin nur ein Leidender am Gesamtzustand der individuellen Unerträglichkeit.“

Krimiüberdruss

Veröffentlicht: Februar 4, 2011 in Es missfällt mir., Literatur, Mir gefällt es.
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Einige wenige, erlesene virtuelle Worte und plötzlich habe ich keinen Appetit mehr auf Krimis? Oder macht sich ein länger Anlauf nehmender Überdruss in mir breit?

Keine 50 Seiten vorm Ende liegt „Vatermord“ von Val McDermid lieblos zurückgelassen auf dem Küchentisch. Wann werde ich es auslesen? Um es mit in den Zug zu nehmen erscheint es zu wenig lohnenswert aber kommende Woche nur für ein Ende abermals in die Hand nehmen?

Die Rezensionen dazu waren überdurchschnittlich gut, auch wenn ich es ohne jede Vorahnung erstand. Thalia Büchergutschein machte es möglich. Die erste Hälfte ermüdete mich, ich konnte mir die Namen nicht merken und die ermittelnden Personen nicht auseinander halten. Viel des Erfolgs vermute ich in Datenschutzdebatten um facebookartige Seiten als Mordfinder. Seit der Mitte bekam ich ein Gespür für die Personen, rechne schon jetzt mit einem offenen Ende der Ermittler, damit die Serientauglichkeit bewahrt bleibt, aber es will und will sich nicht so recht auslesen lassen.

Gespräche über Goethe. Goethe. Wann las ich zuletzt Goethe? Faust, klar. Im Studium, wenn auch nicht in Germanistik. Werther, immer wieder reingeblättert. Lotte lässt nicht los, auch auf der Bühne gesehen und abermals gelesen. Aber den letzten Goethe? Muss Jahre her sein. traurig, was? Und so will ich nach Weimar?!Vielleicht lieber erst eine gescheite Gesamtausgabe erstehen – braucht man schliesslich immer mal. Aber: jetzt?

Man spricht über Nabokov. Nabokov? Kommt mir bekannt vor. Eigentlich spricht man gar nicht drüber. Wer war Nabokov? Die Leselust erwacht. Kaufen? Kaufen! Suchen. „Lolita“. Alles klar, darüber stolperte ich nicht zum ersten Mal, allein der Titel genügt, es zu bestellen. „Kaufen“ – klick. Pädophiler Ich-Erzähler, Literaturwissenschaftler zudem, klingt hart, dennoch ärgere ich mich bereits über den Kauf. Vielleicht hätte ich es einfach in der Stadt suchen, kaufen und schneller lesen können? Kein Nabokov am Wochenende. Wer war Nabokov noch gleich? Nachgelesen. „Er ist kein sonderlich engagierter Student, sondern widmet sich eigenen Übersetzungen, Liebschaften und Fahrten nach London. Er veröffentlicht einen ersten Artikel über Schmetterlinge.“ Alles klar, lese ich. Labile Kindheit, Mutteranhang, kränklich. Russische Aristokraten, Flucht, Exil. Das Typische also. Bildungsbürgertum, überbehütet, Berlin. Alles klar. Jüdische Muse – musste ja sein. London, Paris, dann alle berühmten Unis. Klingt doch gar nicht übel. Schach und Schmetterlinge überzeuge mich zwar nicht, aber ich sehe ein: sollte man sich mal ansehen. Nabokov also. Merken. Wenn die Post kommt, werde ich es schon nicht vergessen.

Weiter geht es, ZVAB führt zu Antiquariaten. Kaufrausch die Zweite? Neeeeein! Da gibt es genug ungelesen im Regal. Erinnerungen an ein bestimmtes Antiquariat? Oh ja. Manesses Bibliothek der Weltliteratur, klein handlich, titelt: „Unheimliche Geschichten“. Wie lange man Dinge der Erinnerungen wegen in tiefste Ecken stopft. Tief drin und weit weg zu gleich. Zuglektüre? Vielleicht.

Alles, nur kein Krimi heute, bitte! Thomas Mann auf der Fahrt gen Norden hat nicht geklappt, versuche ich Goethe im Zug Richtung Weimar gar nicht ernst. Vielleicht findet sich noch etwas Ungelesenes von Bernhard im Regal.