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gesehen: Oh Boy

Veröffentlicht: November 12, 2012 in Film
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Mentizid hat „Oh Boy“ gesehen und war bezaubert von kurzweiliger Unterhaltung, wunderschönen Bildern und einer fabelhaften musikalischen Untermalung. Der perfekte Start ins Wochenende in einem kleinen, zu warmen Kino, bei einem Glas Rotwein und mit Tom Schilling.

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Programmkino. Um eben jenes zu unterstüzten hat sich der Besuch der Spätvorstellung von „Ein Chinese zum Mitnehmen“ durchaus gelohnt, ansonsten hätte ich der weisen Selbsterkenntnis, dass Spätvorstellungen für die Toleranz meiner Müdigkeit bei Filmen ungeeignet sind, besser mehr Raum bieten sollen.

Ein Argentinier sammelt ungewöhnliche Geschichten, und lädt sich eine quasi direkt in sein verschrobenes Leben ein. Den Inhalt zu beschreiben spare ich mir, der Trailer sagt eigentlich alles.

Beim Sehen des Trailers dachte ich, dass ich entgegen der Gewohnheit der Komödie mal eine Chance geben könnte, es wirkt kauzig genug, wie sich der Hauptdarsteller sympathisch an seine Tagesritualen klammert, um Punkt 23.00 das Licht ausschaltet. Man findet sich in einem funktionierenden Alltag, dessen fehlende Spannung man getrost durch solide Selbstharmonie in Kauf nimmt und irgendwie Verständnis hat, für den eingefahrenen Mann.

Das war’s dann aber auch schon. Der Humor war zu flüchtig um vom Gähnen abzuhalten, die Geschichte ohne Spannung. Ein netter Film. Ja, nett war’s. Weil man ja tolerant ist, für Menschen mit Eigenarten. Weil der Kinosaal nett war, der Kartenverkäufer auch und die Hässlichkeit des dennoch charismatischen Schauspielers passte. Doch dafür hätte es nicht die Überwindung zu einem Besuch einer Spätvorstellung gebraucht, deren Rückweg mich den Schlaf kostete.

„Die Paradoxie gehört sonderbarerweise zum höchsten geistigen Gut;

die Eindeutigkeit aber ist ein Zeichen der Schwäche.“

Am Wochenende ging ich ins Kino. Des Kinos wegen, denn ich mag es, mit dem Fahrstuhl bis in die Kuppel des Hauses zu fahren, wo alte Teppiche faltig die Wände bedecken, die Sitze so alt sind, dass deren Aufstellung noch nicht gestuft ist und man den Staub im roten Samtvorhang zu riechen meint.

Was es dort gab? Das hier:

Zwei durchaus etwas verschrobene Männer von nicht geringer Wirkkraft, dazwischen eine helle Frau, die spannend (und in diesem Fall: hübsch, Keira Knightley, selbst wenn ihre Brustwarzen geschickt inszeniert aus dem Korsett rutschen) genug ist, um ihre Abgründe sehen zu wollen, denn kürzlich lernte ich: Menschen ohne seelische Abgründe sind unspannend, machen die Filmhandlung zu einem voyeuristischen Vergnügen, was aufwiegt, dass es sich eigentlich kaum um größte Filmkunst handelt. Bestimmt hat der Film Längen, aber ich mochte ihn. Sehr.

Das Spiel der Ästhetik, das permanente überwinden eigener Moral und das eigene Kranken wiederum darunter haben mir sehr gefallen. Kein schlechter Film in noch besserer Begleitung und einem gemütlichen Raum war mir da beschert. Einzig, dass ich das Durchschnittsalter (und vermutlich auch den Bildungsgrad) stark senkte, konnte nicht ohne spitze Bemerkungen bleiben.

A Dangerous Method“ ist in meinen Augen der schönere Titel und manchmal waren die Nebenrollen (auch in ihrerer Hässlichkeit) einen genaueren Blick wert. Vincent Cassel (als Otto Gross) sah ich bei einem meiner letzten Kinobesuche im Black Swan erst – mit ähnlichem Frauenverschleiß. Abartiges kann also anziehen.

Immerhin wurde der Film bei allem Gerede über Sexualtriebe nicht flach und ersparte dem Zuschauer ohne Vorkenntnisse auch nicht verständliche asuschweifende Exkurse in psychoanalytisches Fachvokabular.

Um etwas fundiertes über den Film, den ich gestern im Kino sah, Naokos Lächeln, sagen zu können, hätte ich das Buch präsenter haben müssen. Leider weiss ich bei vielen Romanen schon am Ende eines Buches kaum mehr, wie es begonnen hat. Möglich zudem, dass Naokos Lächeln mein erster, mindestens aber einer der ersten Murakamis war, die ich las, und meine Begeisterung mangels Vergleiche noch überschwänglich war. Möglich.

Da ich eigentlich kein Freund von großartigen Liebesgeschichten war, hatte entweder das Buch andere Schwerpunkte als der Film, oder aber die (psychischen) Defizite der weiblichen Akteure erschienen mir im Buch tragender und machten ein bisschen wett, dass es eigentlich um nichts anderes geht als um die Liebe eines Jungen zu einer Frau, oder zu zwei Frauen, oder vielleicht um Jugendfreundschaften.

Dass meine Jugend anders verlief, mag mich daran hindern, mich in Dialoge einzufinden, in denen Protagonisten im zarten Alter von 18, 19 oder 20 Jahren permanent von Sex reden (bevor sie ihn praktizieren), auf jeden Fall erscheinen sie mir mitunter befremdlich.Viel spannender die im Film nur mitschwingende Folgenerscheinung des Suzizides enger Freunde oder Geliebter.

Für einen Liebesfilm hätte es schlimmer kommen können. Auch war es mal interessant, selten gesehene japanische Schauspieler zu betrachten, ein Film, der im Japan der 60er Jahre spielt, es gab da durchaus nette, ansehnliche oder stimmungsvoll gelungene Ansichten. Es gab durchaus Bildästhetik und auch Stille und Musik waren passabel gesetzt.

Trotzdem sollte ich mich bei Murakami besser aufs Lesen konzentrieren, denn entweder gefällt mir die Romanvorlage besser, oder meine Phantasie kann beim Lesen kitschige Liebesszenen raffen und spannende zwischenmenschliche Konstellationen betonen.

„Buried“ – muss das sein?

Veröffentlicht: November 9, 2010 in Film
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Buried - Lebendig begraben

Buried - Lebendig begraben

 

90 Minuten Film. Ein Ort der Darstellung: Eine Kiste. Ein Schauspieler. Und niemand, der das Ende verraten wollte.

Buried zu sehen war eine Idee, um deren experimentellen Charakter ich mir bewusst war. Die zuvor gehörten bzw. gelesenen Rezensionen schreckten mich nicht ab und die Neugier zu schauen, ob diese minimalistischen Bedingungen einen kompletten Film füllen können, trieb mich an.

Und: Es funktioniert. Der Film hat Längen und anstrengende Passagen. Minutenlanges Schnaufen und Stöhnen gehört für mich dazu, weil es unästhetisch-anstrengend ist, dem nicht entkommen zu können, doch es gehört zum Konzept des Films. Erzeugt Beklemmungsgefühle, die der Inhalt braucht um getragen zu werden. Das Konzept geht auf jeden Fall auf, der Film zeigt ein in sich geschlossenes, emotionales Handlungswerk. Allerdings wird er nicht lange in Erinnerung bleiben und keinesfalls wird man ihn mehrmals sehen können; dafür ist das Experiment zu groß.

Man kann das also machen, einen Film ins Kino bringen, in dem man nur eine Person sieht. Man muss aber nicht. Als Experiment durchaus gelungen auch inhaltlich kritisch genug um nicht platt zu sein. Etwas durchbrechend Neues ist es dann jedoch nicht.

Schade um manche unlogischen Dinge (wieviel Sauerstoff frisst wohl ein Feuer?) die jedoch zum Erhalt der Spannung und des Interesses nötig waren. Schön, wie abwechslungsreich die Perspektiven trotz der begrenzten Möglichkeiten gewählt wurden – es war erforderlich um nicht tödliche Monotonie siegen zu lassen.

Gegen Ende hin siegten dann Thrillerelemente, die gut gesetzt waren und eine Schwere erzeugten, die vom Ende des Films, das kommt, wie es kommen musste, unterstützt wird.

Ein Kinoerlebnis irgendwo zischen Highlight und Flop; aber eine Erfahrung. Den nun folgenden Fragen, ob der Film zu empfehlen sei, kann ich nichts verbindliches entgegnen. Ja, vielleicht. Bedingt. Wer auf Thriller und pure Unterhaltung aus ist, sollte es vielleicht lassen. Wer sich auch daran erfreuen kann, wenn mit der Umsetzung und der Perspektive gespielt wird, der sollte den Film in das Repertoire der Filmerlebnisse aufnehmen. Es ist kein schlechter Film, auch keiner der lange nachwirkende Albträume erzeugt. Seine 90 Minuten füllt er ohne langweilig zu werden, länger hätte er aber auch nicht sein dürfen. Es gibt Kritikpunkte, aber gerade das Ende wertet ihn für mich auf.