Sektanien

Veröffentlicht: Januar 9, 2011 in Persönliches

9 Menschen.
Eine Idee.
Sekt.

Wenig Musikauswahl, gutes Essen, ein bisschen Deich, viel Sofa. Ein Trampolin bei Nacht, eine Sauna am Abend.

Rob, der nicht schläft und auf dem Sofa schlummert.
Stef, der in Jahreszahlen statt Bands denkt.
Conny, der sich ziert, über Filmmusik zu sprechen. Asiatische wohlgemerkt.
Wiebke, die einzig trinkfeste.
Nils, der sich zähmen liess.
Anna, die kleinste im grössten Bett.
Johanna, die einen Sinn in der Sauna sieht.
Und Steffi, die vor sechs Wochen zuletzt richtig glücklich war, oder so ähnlich.

Schön war ein Wochenende im dörflichen Ferienhaus. Und damit es schön in Erinnerung bleibt, ist es jetzt auch schön, dass es zurück nach Hause geht.
Ich würde es wieder tun…

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Kommentare
  1. Die Dreckszeit des Jahres beginnt. Februar, der große Bruder der Krätze. Waaaas
    schon wieder FEBRUAR alter Schwede, da werd ich ja bald 67 werdet ihr denken, und das ist richtig, auch wenn ihr 68 seid. Die Jahre gehen schneller im Alter, sie fliehen euch, weil ihr so eklig anzuschauen seid, Zeit schmilzt wie der erste Schnee auf den Straßen der Großstadt und ihr werdet zu träumen beginnen. Winter, Schnee, Berge, violetter Abendhimmel und Kaminfeuer werdet ihr träumen und spätestens dann wird euch der Wunsch nach einem Hüttenurlaub überkommen. Lass uns auf eine Hütte fahren, schlug ich meinem Freund vor, oh ja, sagte er, nehmen wir doch Andreas und Claudia mit, dann wird es billiger und lustiger auch. Obacht: wann immer man euch vorschlägt, etwas mit einer Claudia (alternativ geht auch: Malte, Ulli oder Birte) zu unternehmen, lauft, lauft, lauft – denn – Claudia ist der Name für DAS BÖSE, doch das wusste ich damals noch nicht. Ein Pärchenurlaub auf der Hütte, wie süß.
    Es wurde organisiert und telefoniert und dann saßen wir zu viert in einer kleinen
    Bahn, dann in einem kleinen Bus, fuhren in einen kleinen Ort mit kleinen Menschen
    und winzigen Tieren. Die Hütte war feucht, eiskalt war es auch und durch die winzigen Fenster drang kein wärmendes Licht. Die Männer holten Holz, die Frauen saßen und zitterten, die Jungen heizten den Kamin, der Kamin rauchte, es war immer noch kalt, aber dafür konnte man nicht mehr atmen aber prima husten und das machte Wärme durch Bewegung. Wir saßen an einem Tisch, auf dem eine karierte Wachstuchdecke lag, aßen Spaghetti und spielten danach Brettspiele. Himmel war ich glücklich, als ich mich abends an meinen Freund schmiegte. Wir trugen Socken und Trainingsanzüge im Bett, das Bett war kalt, aber draußen fiel Schnee und es war so ruhig, dass es in den Ohren brannte. Der nächste Tag verging in Freude. Wir liefen durch den Schnee, rodelten, fuhren mit Skiern herum, wir hockten in der Dorfkneipe, aßen Spaghetti und tranken Wein. Claudia und Malte und Ptric oder wie sie hießen, waren sehr lustig. Nach wenigen Tagen merkte ich, dass ich eine große Abneigung gegen die Frau entwickelte. Sie sagte kaum etwas, hielt immer ihren Kopf schief und nickte, wenn ihr Freund etwas sagte. Der Freund sagte Mist: «Wer arbeiten will findet Arbeit. Ich habe sehr gutes Heilfleisch. Man muss bei den Unkosten aufpassen.» Wir hatten noch zehn Urlaubstage vor uns. Das Wetter schlug um. Es wurde eiskalt, Stürme ließen das kleine Haus zittern. Ich blieb mit der Frau in der Hütte, die vollgestopft war mit Socken und Unterhosen, mit Brettspielen; es roch nach Tomatensoße.
    Wir hörten einander atmen, stanken, weil wir schwitzten und das Wasser im Bad eingefroren war und redeten kaum, weil was auch und die Männer waren Männerdinge machen. Holz hacken und in die Kneipe gehen, dann mit wichtigen Männergesichtern zurückkommen. Es gab keinen Ort um sich zurückzuziehen, außer dem eiskalten Schlafzimmer und da lag ich oft, viele Pullover übereinander gezogen und las. Lauschte angespannt, auf Feinde, die kämen um meine kurze Ruhe zu stören. Ich beschaute meinen Freund, mit Augen die einem Fremden gehörten, wie er rumlief, mit seiner Trainingshose, mit Socken, die rochen, wie wenig mich mit ihm verband. Nach sieben Tagen war in der Hütte eine Stimmung wie bei Freitag der 13. Wir schlichen umeinander, jeder versuchte jedem auszuweichen, immerzu stand einer draußen und rauchte wütend im Schnee. Scheißschnee. Unentwegt rieselte er vom Himmel, das Weiß blendete, alles so idyllisch, zum Kotzen. Die Tage verplempern in Langeweile, abends um den Tisch hocken mit der Wachstuchdecke, Spaghetti runterwürgen, schweigend, ein bisschen Lebendigkeit kam erst nach einer Flasche Wein. Dann wurde gestritten. Ich mit meinem Freund oder Claudia mit ihrem, eine von uns beiden saß immer auf dem Klo und weinte. Um ihren blöden Freund, um ihr fades Leben und allen war klar, wenn wir erst mal zu Hause wären, würden wir uns trennen. Weggehen, in ein anderes Leben, in dem es keine karierten Tischdecken gäbe und keine Spaghetti, keine Männer mit Trainingsanzügen und vor allem – keinen Schnee. Irgendwann ertrug ich es kaum noch, die Kaugeräusche der anderen zu hören, und der Hass kam über mich, wie eine Troika, gezogen von sechs Höllenhengsten. Ich merkte, das mich Menschen anwiderten. Immer sonderten sie etwas ab, Geräusche, Gerüche, Flüssigkeiten. Sie redeten Mist und kratzen sich am Kopf, betrachteten dann, was sie da erkratzt hatten. Ich merkte, das alles Lüge war. Nichts gab es, was Leute miteinander verband, ausser der Langeweile und der Angst vor dem Tod. Der Tod, der hieß Spiele machen. Zum ersten Mal leuchtete mir wirklich ein, was Schopenhauer meinte als er sagte: Wenn Menschen keine Gedanken tauschen können, tauschen sie Karten aus. Ich merkte, dass ich mit dem Mann neben mir nichts weiter zu tun hatte. Gewohnheit und der Druck der Gemeinschaft nicht Single zu sein, um nicht in Singlebörsen nach anderen
    Singles suchen zu müssen, hielt uns beieinander. Nun waren wir ein Pärchen. Austauschbare Fleischklopse, die einen ähnlichen Gang angenommen hatten. Das Leben war nicht mehr als Spaghetti essen, Karten spielen und sich kratzen. Ich lief um die Hütte, der Schnee die Sau stürzte sich vom Himmel, hoho, ich werde mich explodieren, folge mir, verdorrte Vögel in debilen Ästen, vor mir ein Leben, das aus Alterung, aus Schlagfluss, Mittelmäßigkeit, gelben Büros, Einbauküchen und Haarausfall bestand. Umgeben von Menschen, die dumm waren und gierig, die fickten und nicht wussten warum. Damals lagen noch 8 Urlaubstage vor uns. Jetzt sitze ich hier, mit dieser Axt neben mir. Es ist kalt. Ich muss dann mal los. Ich glaube, ich würde keinem zu einem Hüttenurlaub raten. Wirklich nicht.

    Sibylle Berg.

    • mentizidal sagt:

      Ich sehe keinerlei Paralellen und finde Frau Berg immer noch literarisch fragwürdig. Kein Pärchenurlaub, keine rote Sauce, kein Überdruss. Sehr keinen Bezug zu diesem Kommentar!

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